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The Veil of the Temple

„…the supreme achievement of my life…“

Der britische Komponist John Tavener (1944 - 2013) begriff sein „Opus magnum“ The Veil of the Temple als den Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens – und in der Tat ist dieses Werk nicht nur ein Gipfelpunkt in logistischer, zeitlicher oder musikalischer Hinsicht, sondern auch die Kulmination einer lebenslangen philosophischen und spirituellen Reise.

Geboren in ein presbyterianisches Elternhaus zeigte der junge Tavener bereits früh ein starkes Interesse an Klängen und Klangfarben (eher denn an formal-theoretischen Aspekten) der Musik. Eine frühe Begegnung mit dem Werk Strawinskys löste in ihm den Wunsch aus, Musiker zu werden – seine körperlich schwache Konstitution (er litt am Marfan-Syndrom) verhinderte allerdings eine angestrebte Karriere als Pianist. Stattdessen wandte er sich 1962 unter der Anleitung von Lennox Berkeley dem Studium der Komposition an der Royal Academy of Music zu.

1968 feierte er mit der Kantate The Whale einen ersten großen Erfolg. Obwohl dieses Werk eindeutige Züge des damals vorherrschenden Modernismus trägt, entwickelte Tavener schon zu dieser Zeit ein instinktives Misstrauen gegen die zeitgenössischen Strömungen der Musik, die ihm – darin ähnelt er seinem Zeitgenossen Arvo Pärt – als überkomplex und vom wahren Kern der Kunst ablenkend erschienen.

1969 wurde er zum Professor für Komposition am Trinity College ernannt. Zeitgleich wandte er sich auf seinem spirituellen Weg zunächst dem Katholizismus zu, um schließlich 1977 zur Orthodoxie zu konvertieren. In seinen Kompositionen entkoppelte er sich auf der Suche nach Einfachheit, Reinheit und Klarheit immer weiter von den musikalischen Strömungen seiner Zeit.

„Die religiöse Tradition sagt, dass nur das Spontane wahr ist – wenn ich zu komponieren versuche und es nicht spontan ist, dann kann nichts dabei herauskommen. Sobald ich beginne nachzudenken oder auf Schwierigkeiten stoße, verwerfe ich alles. Das ist genau das Gegenteil der westlichen Kompositionsidee: dass jemand sich abmüht, damit eine Sache gelingt.“

1984 komponierte er auf diese Weise den bis heute populären Chorsatz The Lamb nach einem Gedicht von William Blake. Zu diesem Zeitpunkt fühlte er sich immer

näher daran, „seine“ Stimme zu finden – die er paradoxerweise nicht als seine eigene wahrnahm, sondern als die einer höheren Macht, die durch ihn hindurch sprach. In den 90er Jahren interessierte sich Tavener zunehmend für die Schriften von Mystikern wie z. B. Johannes vom Kreuz, Metaphysikern wie René Guénon und Frithjof Schuon oder aber auch für die Werke der Sufi-Poeten Rumi und Ibn Arabi sowie die Lehren des Hinduismus – Einflüsse, die sich alle auch in The Veil of the Temple wiederfinden lassen. Obwohl er sich selbst weiterhin als „essentially orthodox“ beschrieb, lassen sich doch in all seinen Spätwerken Hinweise auf die universalistische Theorie finden, dass alle organisierten Religionen schließlich nur verschiedene Interpretationen der immer gleichen darunterliegenden Kräfte sind.

In seinen letzten Jahren erlangte Taveners Musik eine ungeahnte Popularität: Song for Athene bei der Beerdigung von Prinzessin Diana, A new Beginning für die letzten Minuten des 20. Jahrhunderts im Londoner Millenium Dome, Filmmusik für Children of Men von Alfonso Cuarón, Kollaborationen mit Popstars wie Björk u. a. m. Im Jahr 2000 wurde er schließlich von der Queen zum Ritter geschlagen. Zeit seines Lebens hatte Tavener mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, darunter mehrere Herzinfarkte und Schlaganfälle. 2013 verstarb er im Alter von 69 Jahren über der Komposition von Requiem Fragments, die sich mit „Beauty in Death“ (Schönheit im Tode) auseinandersetzen sollten.

Bernhard Schmidt

Das war als Fotografin meine bisher herausforderndste Tätigkeit. Körperlich gegen den Schlaf ankämpfend und lichttechnisch für meine Kamera. Vom Untergang der Sonne um 22.30 Uhr bis um 5.30 Uhr zum Aufgang der Sonne. Es war ein unglaubliches Erlebnis das man wohl nur einmal im Leben miterleben darf.

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